JoopVisser (3)

>Mugnone<

 

 

as performed in Horn, Austria, during the 4th. Int. BuchKunstBiennale, mai 1998

Mugnone II; Komponist: J.J. Visser

Dauer: 20 Minuten; für Spielwerk, Tonband und Sprechstimme. Die Dekoration besteht aus 8 sehr großen Linolschnitten; Requisiten sind einige Bücher

Mugnone II wurde 1993 zum ertstenmal zur Typomania als musikalische Skizze präsentiert. Dort war es noch auf drei Spielwerke verteilt und wurde von Dieter Sdun, Wilfried Bohne und Joop Visser - dem Komponisten - gespielt.


Die Idee zu dem Stück entstand auf einigen Studienreisen nach Florenz, Fiesole, Arezzo und Siena. Das musikalische Material zeigt kürzere Sätze der Orgelstimmer dieser Gegend und strofisch wiederholte Balladen die man noch in den Sechzigerjahren in den öffentlichen Waschplätzen Sienas hören konnte. Die Linkehandtechnik der venetianischen Gondellieder Mendelsohn-Bartholdys beherrscht den dynamischen Mittelteil.

 

 

 

Die äußere Form des theatralischen Werkes hat seinen Ursprung in den Traditionen des Vierzigstunden-Gebets; erstmals als Friedensruf Antonio Belottis 1527 in der Heiligengrabkirche zu Milano ausgefürt. Für diese Vierzigstunden-Gebete wurden die Kirchen großzügig dekoriert um eine entsprechende Stimmung herzustellen, wie es auch in der Toskana für Reue- und Treuedienste sowie spektakuläre Einzuge hoher Herren üblich war. Bis zu dreißig Meter hohe suggestive barocke Theaterdekore wurden in die Pilasterstrukturen der Kirchen eingepaßt. Die gegenseitige Beeinflussung dieser Gelegenheitsdekorationen und der Kirchenarchitektur, der Freskos und der Dekorationen für Theater ist nachweisbar. Viele grafische Darstellungen dieser Vierzigstundengebetsdekore sind aufbewahrt geblieben. Die großen Linoldrucke (ca. 1,5 x 3 Meter) des Komponisten und Grafikers dieses Stückes stehen in Bezug zu Dekorationen Nicolo Menghinis für das Vierzigstundengebet in der Gesu zu Rom 1640 unter dem Titel "Moses und das Volk Israels in der Wüste", gestochen von G.F. Grimaldi.

 

Das vergleichende Studium englischer und italienischer Gartenanlagen haben den Komponisten dazu bewogen, ein älteres Werk namens "Culpepers' British Herbal" in Mugnone einzuweben. Dieses zeigt sich als eine Art liturgische Lesung aus einer reich verzierten Kanzelbibel, wie im Mittelalter dem Volk gezeigt wurde.

Eingefärbt auch von den persöhnlichen Erlebnissen während dieser Studienreisen ist dieses Werk eine Beschwörung des Leidens, daß so unlösbar mit der menschlichen Existenz verknüpft scheint.

 


 



JoopVisser 1

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